Klangschöpfung, Seelenbegegnung und synästhetische Räume

Phänomenologisch-transformatorische Annäherung an die klangkünstlerische Versuchsanordnung „Instant Akusmatik 2.0“ von Michael Ammann, aufgeführt im Rahmen des ZIKADEN Festivals 2017 im Kunstverein Kohlenhof, Nürnberg.

Die künstlerische Versuchsanordnung „Instant Akusmatik“ von Michael Ammann nimmt Aspekte künftigen Forschens, das aus einem „neuen“ Bewusstsein heraus entsteht oder besser: in dieses hineinwächst, vorweg: ein definiertes Setting mit größtmöglichen Freiheitsgraden zur Erforschung unbekannter Gebiete – in diesem Fall auf den Feldern der zwischenmenschlichen Resonanz, der Wahrnehmung und des Bewusstseins. „Eigentlich ist es ganz einfach: Die beteiligten Künstler bzw. Spieler achten auf das Geschehen im Augenblick und üben ihre Intuition, Wahrnehmung und Ausdrucksmöglichkeiten in einem Klangraum, den sie gemeinsam erschaffen. Solche Echtzeitkunst wirkt entzaubernd, da sie zeigt, was ist – unsere immer aktuell gegebene Begegnung mit sinnlich und geistig erfahrbaren Phänomenen“, erläutert Ammann.
Klassischerweise ist Ammans Versuchsanordnung dem Feld der Kunst zuzuordnen, aber auch auch Fragestellungen der Psychologie, Physik, der Biologie, der Soziologie oder der Philosophie werden hier berührt.  Diese forschende Kunst führt uns die Möglichkeit, wenn nicht gar die Notwendigkeit der Verflüssigung etablierter Kategorien zur Erzeugung interdisziplinärer Perspektiven und Erkenntnishorizonte vor Augen.

Das phänomenologische Forschungsfeld von Michael Ammann entfaltet sich überwiegend im Klangraum der menschlichen Stimme, aber auch Instrumente oder Gegenstände werden auf ihre Klangmöglichkeiten hin erforscht und „erhellt“. Solcherart geschaffene Töne und Geräusche werden durch stereophon angeordnete, hochempfindliche Mikrofone so erfasst, dass sie über Lautsprecher fein nuanciert in einem holofonen Klangraum wiedergegeben werden. Der Klang wird durch hochauflösende Kleinmembranmikrofone erfasst und wie durch ein Vergrößerungsglas in den Raum projiziert. Bewegungen des Stimmgebers an den Mikrofonen sind geradezu körperlich nachvollziehbar, Klänge und Geräusche sind an bestimmter Stelle im Raum positioniert oder bewegen sich mit unterschiedlicher Intensität und Färbung analog der Bewegung des Stimmgebers an den Mikrofonen durch den Raum. Die Wahrnehmung dieses Ereignisses erfolgt mit geschlossenen Augen, der Fokus der Wahrnehmung richtet sich auf das pure, spürende Hören.

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BRAWK / Instant Akusmatik am 27. August 2017 im Kunstverein Kohlenhof. Nürnberg, v.l.n.r.: Julian Bossert, Uwe Weber, Michael Ammann, Barbara Kastura